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Buch über Schumacher: Keiner Fragt, Willi Weber antwortet

Buch über Schumacher: Keiner Fragt, Willi Weber antwortet

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Rezension zu Willi Webers Buch: „Benzin im Blut“

Den schlimmsten von einigen Fehlern entdeckt man schon nach wenigen Zeilen. Es ist die Sprache. In seiner Autobiographie „Benzin im Blut“, die vor zwei Wochen auf den Markt kam, redet der ehemalige Manager von Michael Schumacher auf knapp über 300 Seiten, als wäre er der eineiige Zwilling von Dieter Bohlen. Frech, flockig, vom Hocker weg.

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Ich kenne Weber aber gut. Auch wenn er sich ebenso wie der erfolgreichste aller untalentierten Musiker der deutschen Musikgeschichte gerne im Mittelpunkt des Universums wähnte und immer noch wähnt, die Sprache passt einfach nicht zu ihm. Während Ghostwriterin Katja Kessler in Bohlens Biografie seine nach außen getragene Art und Sprache zur glaubwürdigen Einheit formte, stehen sich bei Webers Buch Wesen und Worte im Weg. Weber redet im richtigen Leben bedächtig, langsam, blumige Vergleiche sind ihm fremd.

Es gibt keinen Hinweis auf einen Co-Autor bei „Benzin im Blut“, Webers „Auto-Biographie“, in der es natürlich zum großen Teil im Michael Schumacher und die Formel 1 geht. Doch da der Sprachstil mit dem von Bohlen nahezu identisch ist, liegt der Verdacht nahe: Da hat die Zahnärztin Kessler auch bei Weber kräftig nachgebohrt, um seinen Drang der Selbstdarstellung zur unterhaltsamen Soap zu machen.

Formel 1 Willi Weber Autobiographie "Benzin im Blut"
Willi Weber Autobiographie “Benzin im Blut”. Credit: Lübbe

Was dazu passt: Es gibt einige inhaltliche Fehler. Weber (Kessler?) verlegt zum Beispiel das entscheidende Gespräch, das seinen Schützling Michael Schumacher zum Mercedes-Junior macht, in den Juni 1990. Da aber waren Michael Schumacher, Heinz-Harald Frentzen und Karl Wendlinger schon längst im silbernen Mercedes-Sportwagen unterwegs, der ihren Karrieren den entscheidenden Schub gab.

Schon Ende 1989 gab der damalige Mercedes-Rennleiter die Gründung des Juniorteams bekannt, welches das Ziel hatte, die drei Talente mit finanzieller Unterstützung und penibel genau geplanter Fahrschule unter Anleitung von Ex-F1-Pilot Jochen Mass in die Formel 1 zu bringen. Was auch gelang. Die ersten Testfahrten gab es schon im Winter 1989 und 1990 in Le Castellet und Jerez. Ich war dabei, Willi Weber habe ich nicht gesehen.

Die ersten 90 Seiten redet Weber erst mal über sich. Er beschreibt, warum es hieß: „Wo ein Willi ist, ist auch ein Weg.“ Wie er sich der strengen Erziehung seines Vaters widersetzte, wie er sich mitten in der Aufbruchsstimmung des Wirtschaftswunders in der noch jungen Republik seine eigenen Gesetze machte – oft jenseits der Legalität, aber nie so schlimm, dass er richtig Ärger mit der Justiz bekam.

Er war Koch, Bassgitarrist, Autohändler. Er kaufte sich bei einem bestechlichen Arzt vom Wehrdienst frei, war Besitzer einer Oben-Ohne-Bar, Weinhändler, Hobby-Rennfahrer. Er verdiente die erste Million und setzte sie gleich wieder in den Sand. Bis er nach 90 Seiten der Selbstdarstellung endlich zum Punkt kam, der das Businessmodell dieses Buch offen legt: das erste Treffen mit Michael Schumacher am Salzburgring. 

Weber und wie er die Welt sieht: Subjektiv erzählt der Stuttgarter dann die Geschichte, wie er den einfachen Jungen aus Kerpen zum Weltstar machte, zum Multimillionär, zum erfolgreichsten Rennfahrer aller Zeiten. Wie er ihn als Sohn sah, den er selbst nie hätte.

Corinna Schumacher bei der FIA Gala. Credit: FIA
Corinna Schumacher bei der FIA Gala. Credit: FIA

Alle außer Schumacher bekommen ihr Fett weg. Ehefrau Corinna, die ihn am Ende „ausgelöscht“ hätte, ihn „abgelegt wie alte Autoreifen.“ Oder auch Ralf Schumachers Ex-Frau Cora, PR-Lady Sabine Kehm, Bernie Ecclestone, Flavio Briatore, Eddie Jordan. Journalisten werden als Schmierfinken und Schmarotzer bezeichnet, Sponsoren als Wichtigtuer, und und und…

Nur einer trägt bei seinen Erzählungen den Heiligenschein: Weber selbst. Das Buch ist eine einzige Abrechnung mit der Vergangenheit. Und vermittelt gleichzeitig den Beigeschmack von Verbitterung. 

Allein: Spricht man mit den Zeitzeugen, gibt es auch noch eine andere Wahrheit. Anders als Weber es beschreibt, führte nicht er die entscheidenden Verhandlungen, um Michael Schumacher sein Formel-1-Debüt vor 30 Jahren in Spa beim Jordan-Team zu ermöglichen. Sondern Mercedes-Sportchef Jochen Neerpasch: „Willi, den wir nur Paradiesvogel nannten, war nur Passagier“, sagt Eddie Jordan.

In Monza, eine Woche später, spielte Weber bei den Zeitzeugen auch nicht die entscheidende Rolle, um Schumacher zu Benetton zu transferieren. „Ich vermittelte in der Villa d‘Este zwischen Eddie Jordan, Flavio und Jochen Neerpasch“ erinnert sich Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. „Willi Weber saß schwitzend in einem Nebenraum und wartete auf die Antwort.“

Michael Schumacher Willi Weber Formel 1
Michael Schumacher und Willi Weber 2001. Credit: Ferrari

Erst am Ende des Buches macht Weber klar, warum er das Buch geschrieben hat. Warum Willi antwortet, ohne dass einer gefragt hat. Waren die Seiten vorher ein einziger Rachefeldzug, wurde er am Ende sentimental und weinerlich. Er lässt indes offen, warum sich Schumacher kurz vor seinem Comeback mit Mercedes von ihm getrennt hat. 

Wie auch immer: Weber leide heute wie ein ausgesetzter Hund, weil er seit dem schicksalshaften Skiunfall seines „Ersatzsohnes“ vor achteinhalb Jahren keinen Kontakt mehr mit ihm und seiner Familie haben dürfe. Wüsste man es nicht besser, würde es einem die Tränen waagerecht aus den Augen schießen lassen. Man könnte wirklich Mitleid mit dem Selbstmitleid Webers haben …

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September 15, 2021 at 03:44PM

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